Nonverbale Kommunikation für Führungskräfte wirksam nutzen

Du wirkst nicht nur mit Worten

Nonverbale Kommunikation begleitet jedes Gespräch. Du wirkst durch das, was du sagst, und durch Körper, Stimme und Präsenz. Wenn du das bewusster wahrnimmst, führst du klarer, sicherer und oft auch entspannter.

Nonverbale Kommunikation für Führungskräfte wirksam nutzen

Wir kommunizieren immer

Beginnen wir mit einem oft bemühten Satz des berühmten österreichischen Psychologen und Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Der Satz bildet das erste von fünf Axiomen, auf die Paul Watzlawick sein eigenes Kommunikationsmodell aufbaut. Das bedeutet, dass wir immer kommunizieren, selbst dann, wenn wir verbissen schweigen. Oder gerade dann, denn in solchen Momenten kommunizieren wir besonders intensiv. Nicht mit Worten, sondern nonverbal. Auch das ist Kommunikation.

Als Führungskraft solltest du dich mit diesem Thema ein wenig tiefer auseinandersetzen. Einerseits, um deine eigene nonverbale Kommunikation zu reflektieren. Andererseits, um die nonverbale Kommunikation deiner Mitarbeiter kennen und lesen zu lernen.

Geschliffene Rhetorik allein genügt nicht

Der Inhalt eines Gesprächs, also das, was gesagt wird, ist essenziell. Die nonverbale Kommunikation kann das Gesagte unterstreichen und verstärken oder aber auch abschwächen und unglaubwürdig machen.

Du kennst das sicher: Du hörst eine Rede von einem Menschen mit geschliffener Rhetorik, aber trotzdem kommt diese Rede bei dir nicht an. Eine geschliffene Rhetorik allein genügt nicht. Warum. Weil wir Menschen mit allen unseren Sinnen erreicht werden wollen. Bei einer Rede sind das zum Beispiel diese Ebenen.

  • Visuell: Alles, was du siehst und mit den Augen wahrnimmst. Dazu gehören Mimik, Gestik und Körpersprache.
  • Auditiv: Alles, was du hörst und mit den Ohren wahrnimmst. Dazu gehören neben dem Inhalt auch die Stimme, der Klang der Stimme (Timbre) und die Modulation der Stimme (laut leise, schnell langsam, hoch tief).
  • Kinästhetisch: Alles, was du durch die Rede empfindest und fühlst.

Genau genommen ist Körpersprache unsere „Gefühlssprache“. Wir verstehen ihre Signale intuitiv.

Wir haben sehr wenig bis keinen Einfluss auf unsere nonverbale Kommunikation. Umso wichtiger ist es, diese Spielregeln zu kennen. Das hilft dir, dich selbst besser kennenzulernen und deine Mitarbeiter besser zu verstehen. Das unterstützt dich im Führungsalltag ungemein.

Wie du deine nonverbale Kommunikation stimmiger machst

Das Ziel ist nicht, dir nonverbale Techniken einzuüben. Das wirkt schnell künstlich und unnatürlich. Die von dir ausgesendeten Signale sollen sich von selbst einstellen, ohne dass du etwas dazu tun musst. Das gelingt, wenn

  • du dich mit dem vorgebrachten Inhalt möglichst weit identifizierst
  • du überzeugt bist von dem, was du sagst
  • du ehrlich und situationsgerecht kommunizierst

Dann kommunizierst du kongruent und transportierst neben den Worten auch die stimmige nonverbale Kommunikation, also Körpersprache, Stimme und Gefühle.

In Situationen, in denen du dich unsicher fühlst, lohnt es sich, bewusst auf deine eigenen Gesten zu achten. Sind sie stimmig oder nicht. Reflektiere darüber. Sehr hilfreich ist es auch, dir von einem Freund oder Coach Feedback geben zu lassen und dir diese Frage zu stellen:

Warum mache ich in bestimmten Situationen bestimmte ungünstige Gesten oder Handlungen? Warum verändert sich zu meinem Nachteil die Stimme oder die Stimmmodulation?

Wie du die nonverbale Kommunikation deiner Mitarbeiter liest

Du erkennst an nonverbaler Kommunikation, ob dein Gegenüber sich wohlfühlt, ob er bei der Sache ist, ob er offen ist und vieles mehr.

Kein Rezept, sondern Kontext

Es gibt keine fixen Regeln für nonverbale Kommunikation. Die unten angeführte Übersicht gibt eine Richtung, eine Idee. Die Botschaften sind jedoch relativ zu sehen. Relativ zur Einzigartigkeit dieser Person. Nonverbale Kommunikation ist mehrdeutig und kontextabhängig.

Beispiel: Eine Person, die du das erste Mal siehst und die mit verschränkten Armen kommuniziert, kannst du nicht automatisch als verschlossen oder distanziert einordnen. Das ist zu kurz gegriffen. Es kann auch sein, dass ein Mensch oft die Arme verschränkt, weil er das als entspannend und angenehm empfindet.

Spannend wird es, wenn du Unterschiede bemerkst. Verschränkt ein Mitarbeiter normalerweise nie die Arme und tut er das in einem Gespräch spontan, dann kannst du daraus eher schließen, dass er mit dem soeben Gesagten nicht ganz einverstanden ist. Sinnvoll ist dann, nachzufragen.

Woran du Veränderungen erkennst

Schon beim Händedruck erfahren wir von unserem Gegenüber oft mehr als von den ersten Worten. Achte darauf, was du spürst. Ist die Hand warm oder kalt. Ist der Handschlag weich oder hart. Gibt dir die Person die ganze Hand oder reicht sie dir nur die Finger. Beobachte auch über mehrere Begegnungen hinweg. Verändert sich der Handschlag oder bleibt er gleich. Wie ist er, wenn dein Mitarbeiter etwas von dir will, und wie ist er, wenn er nichts von dir will.

Auf diese Art schulst du dich und verstehst deine Mitarbeiter mehr und mehr. Kommunikation und Führung gehören zusammen. Du führst durch Kommunikation. Je besser du Kommunikation beherrschst, desto besser gelingt dir Führung.

In der folgenden Liste geht es nicht um Rezepte und „Pauschalgesten“, die alles erklären, sondern um Orientierungspunkte, die dich sensibler machen für diesen Teil deiner Kommunikation.

Sympathie

  • Ständiger Blickkontakt
  • Zustimmung signalisieren, zum Beispiel durch Nicken
  • Lächeln
  • Maßvoller Einsatz der Hände
  • Gerade, aber nicht steife Sitzhaltung
  • Angenehme Lautstärke der Stimme, nicht zu laut, aber auch nicht zu leise

Desinteresse

  • Häufiges Wegschauen oder Umherschauen
  • Blick zur Uhr und Gähnen
  • Spielen mit Stift und Unterlagen
  • Veränderung der Sitzposition zu einer abgewandten Haltung
  • Häufiges Unterbrechen
  • Verschränkte Arme

Vergiss dabei nicht, während eines Gesprächs auch auf deine eigenen Körpersignale zu achten und sie zu reflektieren.

Was Körperhaltung signalisieren kann

Hier einige grundlegende Körperhaltungen und mögliche Botschaften in unserer Kultur.

Körperhaltung Mögliche Botschaft Typische Einordnung Kontext Hinweis
körperliches Zurückweichen Abgrenzung, Unbehagen, Distanzwunsch Ablehnung kann auch Platz machen oder Höflichkeit sein
den Oberkörper zurücknehmen (Distanz vergrößern) Rückzug, Skepsis, inneres Stoppsignal Ablehnung wenn nur kurz, oft reflexartig
seitlich wegdrehen (Schultern oder Becken) Desinteresse, Ausweichen, Konfliktvermeidung Rückzug kann auch Ablenkung im Raum sein
verschränkte Arme vor der Brust Schutz, Abwarten, Selbstabgrenzung Abwehr bei Kälte oder bequemer Haltung kein Signal
Hände vor dem Oberkörper als Barriere (Mappe, Tasche, Glas) Sicherheitsbedürfnis, Reserve Abwehr oft unbewusst
Naserümpfen bei zusammengekniffenen Augen Ekel, starke Ablehnung, Entwertung Ablehnung (stark) deutliches Mikro Signal, kommt oft schnell
Kopf leicht zurück, Kinn hoch Überlegenheit, Distanz, Bewertung Dominanz kann auch bessere Sicht oder Haltung sein
aufrechter, lockerer Stand Selbstsicherheit, innere Stabilität, Präsenz Sicherheit wirkt besonders, wenn Atmung ruhig ist
fester Stand mit gleichmäßigem Gewicht Klarheit, Standpunkt, Entschlossenheit Sicherheit verstärkt sich, wenn Gesten ruhig sind
wippender Stand, Gewicht ständig verlagern Nervosität, Ungeduld, Anspannung Unruhe auch energiegeladen, wenn Mimik offen
ständig in Bewegung (kein ruhiger Stand, Herumrutschen auf dem Stuhl) Stress, Überforderung, Fluchtimpuls Unruhe häufig bei Unsicherheit oder Zeitdruck
die Füße um die Stuhlbeine geschlungen Unsicherheit, Rückzug, Klein machen Unsicherheit oft in formellen Settings
Füße Richtung Tür oder Ausgang Weg wollen, Abschluss suchen, Fluchtimpuls Rückzug sehr situativ, z. B. nächster Termin
Füße fest im Boden, Knie ruhig Erdung, Sicherheit, Zuhören Sicherheit oft bei konzentriertem Zuhören
Beine eng verschränkt, Körper eingerollt Schutz, Unbehagen, Zurückhaltung Unsicherheit kann auch Kälte oder Gewohnheit sein
Sitzen mit breit auseinanderklaffenden Beinen Raum einnehmen, Dominanz, Nonchalance Dominanz wirkt je nach Kultur schnell respektlos
nach vorne lehnen (Oberkörper zum Gegenüber) Interesse, Engagement, Zustimmung Zugewandtheit bei zu viel Nähe auch Druck
körperliche Annäherung Vertrauen, Zugehörigkeit, Kooperationsbereitschaft Zustimmung ohne Einwilligung kann es übergriffig wirken
sich ganz dem Gesprächspartner zuwenden Fokus, Respekt, echtes Interesse Zustimmung sehr stark, wenn Blick weich bleibt
Augenkontakt und offener Blick Verbindung, Aufmerksamkeit, Offenheit Zustimmung Dauer und Intensität entscheiden
langer, direkter Augenkontakt Dominanz, Testen, Druck aufbauen Bedrohung in manchen Kulturen normaler
Blick ausweichen nach unten Scham, Unterordnung, Unsicherheit Rückzug kann auch Nachdenken sein
Blick ständig in den Raum wandern Ablenkung, Unsicherheit, inneres Suchen Unruhe oder: visuelles Denken
häufiges Blinzeln Stress, Anspannung Unruhe kann auch trockene Augen sein
Schulterzucken Ratlosigkeit, Distanzierung, Nicht zuständig Hilflosigkeit manchmal auch ironisch gemeint
Hände um die Stuhllehne geklammert Festhalten, Selbstkontrolle, Anspannung Unsicherheit häufig bei Druck oder Bewertung
Hände verkrampft ineinander verschränkt Selbstberuhigung, Nervosität Unsicherheit zusammen mit flacher Atmung stärker
in den Hosentaschen oder hinter dem Rücken versteckte Hände Reserve, Kontrolle, etwas verbergen wollen Verschlossenheit kann auch schlicht Gewohnheit sein
offene Handflächen sichtbar Transparenz, Vertrauen, Kooperation Offenheit wirkt besonders in Diskussionen
Finger trommeln, Stift klicken Ungeduld, Stress, Reizüberflutung Unruhe kann auch Konzentrationshilfe sein
Hände reiben Spannung, Erwartung, Nervosität Unruhe manchmal auch Vorfreude
am eigenen Hals, Gesicht, Ohr fassen Selbstberuhigung, Unsicherheit Unsicherheit häufig in heiklen Momenten
sich selbst mit den Armen umklammern Schutz, Bedürfnis nach Halt Unsicherheit kann auch Traurigkeit signalisieren
tiefer Seufzer, Schultern sinken Entlastung, Resignation, Müdigkeit Erschöpfung je nach Gesprächsphase sehr aufschlussreich
langsame, kontrollierte Bewegungen Souveränität, Selbstkontrolle Sicherheit kann auch Distanz und Kühle sein
schnelle, abgehackte Bewegungen Stress, Alarm, Gereiztheit Unruhe häufig vor Konflikten
spiegeln von Haltung und Tempo Rapport, Verbundenheit, Zustimmung Zugehörigkeit Achtung: kann auch Strategie sein
Kopf leicht schief legen Interesse, Empathie, Zuhören Zugewandtheit kann auch Zweifel sein
Lippen pressen, Kiefer anspannen Ärger, Widerstand, Zurückhalten Abwehr oft bevor jemand widerspricht
Lächeln ohne Augenbeteiligung Höflichkeit, Maske, Unbehagen Ambivalent echtes Lächeln wirkt im ganzen Gesicht

Ein praktischer Tipp

Lass dir von verschiedenen Menschen Feedback darüber geben, wie du nonverbal kommunizierst, und studiere die Körpersprache anderer Menschen. Selbst durch Kleidung oder Schmuck kommunizieren wir. Und auch wenn wir unser Gegenüber nur stumm anblicken, treten wir mit ihm in Kommunikation. Es lohnt sich, genauer zu schauen, was nonverbale Kommunikation bedeuten kann, was unter Kommunikation überhaupt zu verstehen ist und wann wir was einsetzen.

In jedem Fall gilt: Zeige, dass du den persönlichen Raum des anderen respektierst, indem du ausreichend Abstand hältst, etwa eine Armlänge. Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Studium der nonverbalen Kommunikation.

Zum Reflektieren

  • Welche zwei Signale deiner Körpersprache willst du in den nächsten Gesprächen bewusster beobachten, ohne sie sofort zu bewerten?
  • In welchen Situationen kippt bei dir Stimme, Tempo oder Lautstärke, und was ist dann innerlich gerade los?
  • Bei welchem Mitarbeiter willst du in den nächsten Tagen weniger interpretieren und stattdessen eine klare Rückfrage stellen, wenn du ein Signal wahrnimmst?

»Man kann nicht nicht kommunizieren.« Paul Watzlawick

Gerold Walter Coaching

Führung wirksam entwickeln

Ich bin Führungskräfteentwickler und sorge dafür, dass Führung leichter wird, nicht durch mehr Druck, sondern durch mehr Klarheit und Wirksamkeit.

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